„Kein Roman beschreibt seine Held_Innen von Kopf bis Fuß; wir sehen sie trotzdem. Das ist es, was mich interessiert: Die Enttäuschung, die wir gelegentlich empfinden, wenn wir ein Buch, das wir mögen, als Film im Kino sehen und die Dunkelkammer mit dem Gefühl verlassen, dass uns etwas geraubt wurde. Das, über dessen Verschwinden wir enttäuscht sind, versuche ich herzustellen.“

(aus dem Künstlerinnenbuch how to tell a gap, Esther Strauß, 2011)

„Wenn ich an Sophie Calles true stories und Ernest Hemingways flash fiction denke, dann scheint mir mein Werk dort stattzufinden, wo sich Bildende Kunst und Literatur berühren. Sie berühren einander so zärtlich, dass sie keine Nebenbuhler mehr sind. Oder anders gesagt: Die Realität steht einer Geschichte in nichts nach. Beide sind erfunden.“

(Esther Strauß, 2020)

„Jedem Kunstwerk geht seine Abwesenheit voraus – es braucht einen Menschen, der sich nach ihm sehnt. 2007 habe ich einen 15- minütigen Hand-in-Hand-Spaziergang entlang der Donau in Linz verschenkt. 2016 habe ich das Grab meines Großvaters mit den Händen ausgehoben und eine Nacht lang in seiner Erde geschlafen. 2017 habe ich an einem geheimen Ort in Tirol ein Versteck eingerichtet und alle, die es finden, eingeladen, sich in ihm zu verbergen. Viele meiner Performances finden ohne Publikum und in privaten Räumen statt, zum Beispiel Die Heimsuchung. Am Tag nach dem Begräbnis meiner Großmutter ging ich zum Frisör, ließ mir die Frisur meiner Großmutter schneiden und färben und performte eine Nacht und einen Tag lang alleine in ihrer leeren Wohnung. Man könnte sagen, dass ich es genieße, für mich und für andere Geheimnisse herzustellen. Was meine Arbeiten verbergen, ist ebenso wichtig wie das, was sie preisgeben.“

(Esther Strauß in einem Gespräch mit Silvia Höller für den Band Inventur – Kunstankäufe des Landes Tirol 2012 – 18, 2019)